Kläre vorab zwingend deinen Status: Als Kleinunternehmer (§ 19 UStG) darfst du in Shopify keine Steuern erheben. Für den regulären EU-Verkauf nutzt du das OSS-Verfahren, damit automatisch die korrekten ausländischen Steuersätze berechnet werden.
Aktiviere für B2C-Shops den Haken „Preise inkl. Steuern anzeigen“ zur Vermeidung von Abmahnungen und verbinde eine Schnittstelle (z. B. Billbee oder Pathway), da Shopify keine GoBD-konforme Buchhaltung ersetzt. Bei globaler Expansion (USA) wird das Upgrade auf Shopify Tax notwendig.
In diesem Teil unserer Serie zur Grundkonfiguration zeigen wir dir, wie du Shopify Steuern rechtssicher für den DACH-Raum einstellst, was es mit Shopify Tax auf sich hat und wie du die Brücke zur Buchhaltung schlägst.
Bevor du den ersten Regler schiebst, steht eine fundamentale Frage im Raum: Bist du steuerpflichtig?
Nicht jeder Shop-Betreiber muss Umsatzsteuer abführen. In Deutschland gibt es die sogenannte Kleinunternehmerregelung (§ 19 UStG).
Wenn dein Umsatz im Vorjahr unter 22.000 € lag und im laufenden Jahr voraussichtlich 50.000 € nicht übersteigen wird, kannst du dich als Kleinunternehmer einstufen lassen.
Die Konsequenz für Shopify: Du darfst auf deinen Rechnungen keine Umsatzsteuer ausweisen.
Die Einstellung: In diesem Fall deaktivierst du in Shopify die Steuererhebung komplett. Du musst jedoch im Shop (z.B. im Footer oder auf der Produktseite) rechtlich darauf hinweisen („Kein Ausweis von USt. gem. § 19 UStG“).
Prüfe diesen Status genau. Wenn du fälschlicherweise Steuern ausweist, obwohl du Kleinunternehmer bist, schuldest du diese dem Finanzamt, darfst aber selbst keine Vorsteuer ziehen.
Bevor wir in die Details gehen, müssen wir Shopify mitteilen, wo dein Unternehmen sitzt und wohin du verkaufst. Shopify nutzt diese Informationen zur automatischen Berechnung der Umsatzsteuer.
Navigiere in deinem Admin-Bereich zu Einstellungen > Steuern und Zollgebühren.
Du siehst hier eine Übersicht der Länder, in die du verkaufst. Für Händler aus Deutschland ist der Bereich „Europäische Union“ entscheidend. Klicke auf „Europäische Union“.
Sitz in DE und Verkauf nach DE
Wenn du in Deutschland sitzt und nur nach Deutschland verkaufst, klickst du rechts neben der deutschen Flagge auf „MwSt. erheben“ und gibst deine USt.-ID ein.
Anschließend sollte in der Übersicht ein grüner Punkt und „Erhebung“ zu sehen sein.
Sitz in DE und Verkauf in die EU
Wenn du in Deutschland sitzt und in mehrere EU-Länder verkaufst, dann musst du deine Steuereinstellungen unter „MwSt. grenzüberschreitend erheben“ vornehmen.
Option 1: Mittels einer One Stop Shop (OSS)-Registrierung erheben
Wenn dein Umsatz mit Verkäufen an Privatpersonen in andere EU-Länder (z. B. Frankreich, Österreich, Italien zusammen) mehr als 10.000 € netto pro Kalenderjahr beträgt.
Was passiert dann?
Shopify berechnet dem Kunden an der Kasse den Steuersatz seines Landes (z. B. 20 % für Kunden aus Frankreich, 22 % für Italien).
Du meldest diese Umsätze gesammelt über das OSS-Verfahren beim Bundeszentralamt für Steuern (BZSt) in Deutschland. Du musst dich nicht in jedem einzelnen Land registrieren.
Du wählst diese Option, wenn du dich bereits für OSS registriert hast (oder es musst).
Option 2: Mittels deiner Registrierung im Heimatland erheben (Kleinstunternehmen)
Wenn dein Umsatz mit Verkäufen an Privatpersonen in das gesamte EU-Ausland weniger als 10.000 € netto pro Kalenderjahr beträgt.
Was passiert dann?
Du behandelst diese Verkäufe wie inländische Verkäufe. Shopify berechnet dem Kunden aus Frankreich oder Österreich einfach die deutsche Mehrwertsteuer (19 %).
Du zahlst diese Steuer ganz normal an dein lokales Finanzamt in Deutschland.
Sitz in DE und Verkauf in die EU
Wenn du in Deutschland sitzt und in mehrere EU-Länder verkaufst, dann musst du deine Steuereinstellungen unter „MwSt. grenzüberschreitend erheben“ vornehmen.
OSS aktiviert: Du meldest deine Umsätze zentral. Wähle in Shopify die Option „Umsatzsteuer wird im One-Stop-Shop-Verfahren abgeführt“. Shopify wendet dann automatisch den korrekten Steuersatz des Kundenlandes an (z.B. 20 % in Österreich).
Alternativ kannst du die Umsatzsteuer in der EU auch manuell abführen, wenn du dich in den entsprechenden Ländern einzeln steuerlich anmeldest. Dann wählst du die zweite Variante „Mittels deiner Registrierung im Heimatland erheben“.
Kleinunternehmerregelung: Falls du Kleinunternehmer nach § 19 UStG bist, darfst du keine Umsatzsteuer ausweisen. In diesem Fall darfst du in Shopify keine Steuern erheben.
Nachdem du die Steuererhebung festgelegt hast, musst du noch definieren, ob an den Produkten die USt. angezeigt wird oder nicht. Unterhalb der Länderliste findest du die globalen Steuer-Optionen.
Setze unbedingt den Haken bei „Alle Preise inkl. Steuern anzeigen“, wenn du primär an Endkunden (B2C) verkaufst.
In Deutschland gilt die Preisangabenverordnung. Der Kunde muss den Endpreis sehen. Wenn du diesen Haken nicht setzt, schlägt Shopify die Steuer erst im Checkout auf den Preis auf. Das führt zu Kaufabbrüchen und ist rechtlich problematisch.
Wenn du B2B betreibst, muss der Haken raus und die USt. wird erst im Checkout auf den Produktpreis draufgerechnet.
Nicht alle Produkte werden mit 19 % besteuert. Lebensmittel oder Bücher unterliegen in Deutschland beispielsweise dem ermäßigten Steuersatz von 7 %.
Wenn du solche Produkte im Sortiment hast, brauchst du folgende Steuereinstellungen.
Steuerüberschreibungen anlegen: Um Ausnahmen zu definieren, erstellst du sogenannte „Steuerüberschreibungen“.
Wenn du Hilfe dabei brauchst, wie man Produkte korrekt anlegt und Sammlungen zuweist, empfehlen wir dir unseren Guide zum Thema Shopify Produkte hinzufügen. Dort erklären wir die Datenpflege im Detail.
Steuern auf Versandkosten
Shopify berechnet Steuern auf Versandkosten standardmäßig anteilig basierend auf den im Warenkorb liegenden Produkten. Wenn du jedoch sicherstellen willst, dass der Versand immer mit 19 % besteuert wird (was oft einfacher für die Shopify Buchhaltung ist), kannst du auch hierfür eine Steuerüberschreibung anlegen.
Mehr zur generellen Einrichtung deiner Versandzonen findest du in unserem Beitrag Shopify Versand einstellen.
Die korrekte Berechnung im Shop ist nur die halbe Miete. Die Daten müssen sauber zu deinem Steuerberater gelangen. Viele Einsteiger machen den Fehler und versuchen, die monatliche Abrechnung manuell über Excel-Exporte zu lösen. Das ist ab einer gewissen Bestellmenge nicht mehr handhabbar.
Für eine professionelle Buchhaltung mit Shopify benötigst du eine Schnittstelle.
Die besten Tools für die Integration
Es gibt etablierte Lösungen auf dem deutschen Markt, die deine Shopify-Daten abholen, Rechnungen erstellen und die Buchungssätze an Systeme wie DATEV oder Lexware übergeben.
Billbee: Ein Multichannel-Tool. Es importiert Bestellungen, erstellt Rechnungen und kann diese an Buchhaltungssoftware wie lexoffice oder sevDesk exportieren.
Pathway Solutions: Ein spezialisiertes Tool, das sich auf die perfekte Übergabe von Shopify-Daten an den Steuerberater (DATEV) fokussiert. Es prüft auch Zahlungseingänge von PayPal oder Klarna.
Lexware & sevDesk Integrationen: Es gibt direkte Apps im Shopify App Store, doch oft bieten Middleware-Lösungen wie Billbee mehr Flexibilität bei komplexen Steuerszenarien.
Mittlerweile ist es auch möglich direkt über Shopify Rechnungen mit MwSt. erstellen und an Kunden versenden zu lassen. Vor einiger Zeiten waren Händler noch auf Drittanbieter wie Order Printer Pro, BillBee, Xentral usw. angewiesen.
Navigiere hierfür wieder in „Europäische Union“ und aktivere weiter unten die Rechnungserstellung.
Mehr Informationen zur Rechnungserstellung mit Shopify findest du in folgendem Beitrag: Shopify Rechnungen erstellen
Shopify bietet unterschiedliche Stufen der Steuerberechnung an. Hier sind drei typische Händler-Szenarien und unsere Empfehlung, welcher Service notwendig ist.
Case 1: Nur Deutschland / DACH
Du hast deinen Sitz in Deutschland und verkaufst ausschließlich an Kunden in Deutschland (oder maximal noch Österreich/Schweiz). Deine Ware versendest du aus einem zentralen Lager in Deutschland.
Die Steuerlage ist übersichtlich. Es gelten pauschal 19 % (bzw. 7 %) in DE und 20 % in AT.
Empfohlener Service: Shopify Basic Tax (Standard)
Du brauchst keine komplexen Algorithmen. Die Standard-Einstellung von Shopify („Umsatzsteuer erheben“) reicht völlig aus. Du pflegst einmalig deine Steuerüberschreibungen für ermäßigte Produkte, und das System läuft. Ein Upgrade auf kostenpflichtige Steuer-Dienste ist hier nicht notwendig.
Case 2: Europa (DE + EU via OSS)
Du skalierst und verkaufst aktiv an Endkunden in Frankreich, Italien, Spanien und den Niederlanden. Du nutzt das OSS-Verfahren und hast keine physischen Warenlager im EU-Ausland.
Du musst für jedes EU-Land den korrekten lokalen Steuersatz berechnen (z. B. 21 % in NL, 22 % in IT), diese aber zentral melden.
Empfohlener Service: Shopify Basic Tax (Standard)
Auch hier ist der Standard-Dienst von Shopify extrem stark. Sobald du in den Einstellungen „Europäische Union“ und die OSS-Option aktivierst, kennt Shopify automatisch alle aktuellen EU-Steuersätze. Solange du keine Lager im Ausland hast (was eine lokale Registrierung erfordern würde), deckt Basic Tax diesen Case zu 100 % und rechtssicher ab.
Case 3: Globale Ausrichtung (USA & Drittländer)
Du expandierst in die USA, nach UK oder hast Lagerbestände in verschiedenen Ländern (Fulfillment-Center).
Jetzt wird es kompliziert.
USA: Hier gibt es keine nationale Umsatzsteuer, sondern „Sales Tax“, die von Bundesstaat zu Bundesstaat, teilweise von Landkreis zu Landkreis variiert („Rooftop Accuracy“ notwendig). Zudem gibt es Schwellenwerte („Nexus“), ab wann du steuerpflichtig wirst.
UK/Schweiz: Hier gelten ab gewissen Umsatzgrenzen oder bei Lagerung vor Ort Registrierungspflichten.
Empfohlener Service: Shopify Tax (Premium)
Mit der Standard-Einstellung läufst du hier ins offene Messer. Shopify Tax (oder externe Tools wie Avalara) ist hier Pflicht.
Damit du verstehst, warum wir bestimmte Einstellungen empfehlen, haben wir hier die wichtigsten Gesetze und Regelungen zusammengefasst. Diese Begriffe solltest du kennen oder googeln:
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Gesetz
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Bedeutung für deinen Shop
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§ 19 UStG (Kleinunternehmer)
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Regelt, ob du überhaupt Umsatzsteuer ausweisen darfst. Relevant für Starter mit geringem Umsatz. |
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OSS (One-Stop-Shop)
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Vereinfachtes Verfahren zur Meldung von EU-Auslandsumsätzen. Ersetzt die Registrierung in jedem einzelnen EU-Land. |
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§ 13b UStG (Reverse Charge)
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Relevant im B2B-Bereich. Hier geht die Steuerschuld auf den Leistungsempfänger über (Netto-Rechnung). |
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PAngV (Preisangabenverordnung)
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Schreibt vor, dass gegenüber Endverbrauchern immer Preise inkl. MwSt. (Brutto) genannt werden müssen. |
Gehe diese Punkte durch, bevor du deinen Shop live schaltest:
Steuern sind ein trockenes Thema, aber mit der richtigen Shopify Konfiguration läuft der Prozess im Hintergrund fast unsichtbar ab. Wenn du mehr über die generelle Einrichtung erfahren willst, schau in unseren Hauptartikel Shopify Shop erstellen.